Klimaanpassung in der Praxis: Feriendestinationen in Graubünden handeln
Im vergangenen Jahr haben sich die drei Bündner Regionen Lenzerheide, vorderes Prättigau und Engadin Samnaun Val Müstair mit der Frage beschäftigt, wie sie ihren Tourismus möglichst erfolgsversprechend an ein sich veränderndes Klima anpassen und vor allem Chancen nutzen können. Unter der Leitung von Graubünden Ferien wurde im Projekt «Klimafitte Destinationen» zusammen mit den wichtigsten Akteuren vor Ort und mit externer Expertise die klimatische und wirtschaftliche Ausgangslage analysiert. «Der erarbeitete regionale KlimaScan bietet eine fundierte wissenschaftliche Grundlage, damit wir die Weichen für die Zukunft richtig stellen können», sagt Marc Schlüssel, CEO der Lenzerheide Marketing und Support AG.
Breiter Fächer an Massnahmen
Konsolidiert wurden die gewonnenen Erkenntnisse in drei individuellen «Roadmaps Klimafitness». Sie beinhalten konkrete Massnahmenvorschläge zur Anpassung an den Klimawandel in den Destinationen. Auf der Hand liegen neue, weniger schneeabhängige Winterangebote oder das Nutzen des Trumpfs «Bergfrische» für Zeiten, in denen es in niedrigen Lagen und Städten immer heisser und unerträglicher wird.
Klimaanpassung erfordert aber auch eine Vorbereitung auf vermehrt auftretende Naturereignisse wie Steinschläge oder Murgänge und dadurch beeinträchtigte Ferienerlebnisse: das umfasst sowohl eine Live-Zustandsinformation der Weginfrastruktur im Sommer als auch gut eingespielte Krisenmanagement-Prozesse, damit im Fall eines Grossereignisses der touristische Schaden möglichst begrenzt werden kann. Ergänzt wird der breite Massnahmenfächer beispielsweise durch eine übergeordnete Koordination der Aktivtäten oder den Aufbau eines integralen Wassermanagements zur Vermeidung von Wassernutzungskonflikten.
Die Tourismusinteressenz miteinbezogen
Im März 2025 wurden die Roadmaps in Lenzerheide und im Prättigau Verantwortlichen aus Tourismus und Politik vorgestellt, Engadin Samnaun Val Müstair folgt im Laufe des Frühlings. «Dass Klimaschutzmassnahmen unumgänglich sind, darüber besteht in der Gesellschaft weitgehend Konsens. Dass wir uns jedoch auch an das sich ändernde Klima anpassen müssen, dieses Bewusstsein wächst erst langsam», betont Georg Fromm, Regionalentwickler der Region Prättigau/Davos, die Bedeutung des Prozesses.
Martina Hollenstein, Leiterin Nachhaltigkeit bei Graubünden Ferien, hält fest, dass Klimaanpassung nur im Teamwork und nicht von heute auf morgen möglich ist: «Damit wir uns erfolgreich für die Zukunft rüsten können, sind alle gefragt: Gemeinden, Tourismusorganisationen, Betriebe sowie weitere Akteure, z. B. aus der Land- und Forstwirtschaft oder der Raumplanung. Es braucht ein geeintes und koordiniertes Vorgehen sowie langfristige Visionen und Pläne.»
Parallel neu entwickeln
Graubünden nimmt im Vergleich der Schweizer Alpendestinationen eine Vorreiterrolle ein. «Mit dem Projekt bereiten wir uns proaktiv auf neue Realitäten im alpinen Tourismus vor. Dabei gilt es, Bewährtes so lange wie möglich und sinnvoll fortzuführen und parallel dazu neue Angebote aufzubauen, die langfristig die touristische Attraktivität unseres Ferienkantons sicherstellen», ordnet Martin Vincenz, CEO von Graubünden Ferien, das Vorhaben ein. «Mit vorausschauender Klimaanpassung sichern die Destinationen und ihre Unternehmen ihren Geschäftserfolg und die langfristige Positionierung, minimieren die Risiken und vermeiden grosse Kosten.»
Nach der Erarbeitung der Roadmaps folgt in den kommenden knapp zwei Jahren die Begleitung der ersten Umsetzungen durch das Projektteam, um den Destinationen den Start im langjährigen Anpassungsprozess zu erleichtern. Die im Innotour-Projekt gewonnen Erkenntnisse können zudem auf weitere Destinationen angewendet werden, die sich ebenso klimafit für die Zukunft aufstellen möchten.
(Medienmitteilung von Graubünden Ferien, 26. März 2025)